Eine bewertete Pokémon-Karte, versiegelt in einer Plastikkapsel. Eine Aktie, deren Kurs steigt, weil ein Subreddit beschlossen hat, dass dies so sein soll. Ein Krypto-Token, dessen einzige Sicherheit die Hoffnung ist, dass jemand anderes es später kaufen wird. Ein Prognosemarkt-Kontrakt darüber, ob es am Samstag in London regnen wird. Diese Objekte mögen wie Witze über den Wert erscheinen, doch die Menschen investieren echtes Geld, Aufmerksamkeit, Status und Hoffnung in sie.
Dieses Seminar behandelt Spekulation als ganz normales soziales Handeln und nicht als Marktpathologie oder Versagen der individuellen Vernunft. Spekulation ist eine Art, sich auf eine ungewisse Zukunft einzulassen, und ihre Ausprägungen werden von Kultur, Netzwerken, Plattformen und den Instrumenten geprägt, die eine Zukunft handelbar machen. Unsere immer wiederkehrende Frage lautet: Was macht spekulativen Wert gesellschaftlich beständig, selbst wenn jeder weiß, dass er verschwinden könnte?
Nachdem wir ein konzeptionelles Instrumentarium (Bewertung, Liquidität, fiktionale Erwartungen, Marktmechanismen, Finanzialisierung) entwickelt haben, testen wir es anhand aktueller Fälle – versiegelte Sammlerstücke, Meme-Aktien, Kryptowährungen und Memecoins, NFTs, Prognosemärkte, Sportwetten – und sammeln direkt Daten dazu. Der Kurs steht ISA-Studierenden offen und setzt keine Vorkenntnisse in Finanzwesen oder Wirtschaftssoziologie voraus.