In der Übersicht
Tiere, Pflanzen, Einzeller, aber auch Styropor, Europaletten, Plastiktüten, das Sonogramm von Unterwasserlärm, Marabous wandern über den Bildschirm. Der click auf ein Objekt gibt einen Namen frei, dem einer von vier Begriffen zugeordnet ist: Invasion, Empire, Capital, Acceleration. Im oberen linken Eck führt ein sich drehender goldener Schlüssel in die alphabetische Welt des Atlas': dem Verzeichnis von 79, untereinander eng verlinkten, kurzen Einzelstudien (field reports), verfaßt von Naturwissenschaftlern, aber auch Geisteswissenschaftlern, Künstlern, Schriftstellern. Begleitet von ausführlichen Quellenangaben fassen sie ihr Wissen über ein bestimmtes Feld zusammen. Wie sich ein Käfer durch den Handel mit Europaletten an der Ostküste Amerikas ausbreitet und dort ganze Wälder bedroht; wie der Lärm von Frachtschiffen die Lebewesen des Great Barrier Reefs beeinflußt; wie die heiligen Kühe den Plastikabfall indischer Städte in die Nahrungskette einschleusen - usw.. Anna Loewenhaupt Tsing, eine der vier HerausgeberInnen des Atlas, nennt das granular stories. Sie erzählen von nicht intendierten, unintentional oder wilden Wirkungen menschlicher Infrastrukturen. Theoretisch setzt das Konzept des Feral Atlas die Agenten- und Netzwerk-Ökologie Bruno Latours fort, die symbiotischen (oder parasitischen) Netzwerke Lynn Margulis', die Spinnennetze (Pimoa cthulhu) Donna Haraways oder Theorien vom „Anthropozän“. Das Seminar wird sich auch diesen Quellen des feral atlas widmen. Es wird aber vor allem dem folgen, worin einige ausgewählte granular stories des Atlas' über bisherige Theorien der Ökologie hinausgehen: Netze als Infrastrukturen mit ihren geschichtlichen Agenten, ökologischen Wirkungen, biologischen Lebewesen.