Dunkle Tanne, grüne Wiesen im Sonnenschein… Aber nein – es ist nicht Heidi, sondern Shah Rukh Khan und Kajol, zwei der prominentesten Bollywood-Stars, die über die Wiese tanzen. Mitte der 1990er Jahre wurde der Bollywood-Hit «Dilwale Dulhania Le Jayenge» in der Nähe von Engelberg gedreht. Der Drehort wird auch heute noch jährlich von Tausenden indischen Tourist*innen besucht.
Aber wie geht ein Ort wie Engelberg mit diesem Phänomen um? Diese Frage gewinnt noch einmal an Brisanz, da Engelberg kein Nobel-Ski-Ressort wie etwa Gstaad ist, wo sich viele Einheimische ein Leben längst nicht mehr leisten können. In Engelberg leben Einheimische seit Jahrzehnten mit Tourist*innen zusammen. Deshalb spüren wir im Seminar Konflikte dieses Aufeinandertreffens auf und erforschen, welche Lösungen gefunden wurden, um unterschiedliche Interessen auszutarieren. Dafür eruieren wir, wie die starke Präsenz eines tradierten Akteurs wie des Klosters mit den Interessen der Tourismusbranche kollidierte, und wie ein kleines Schweizer Bergdorf mit kulturellen Unterschieden umging. Kurzum: Wir erforschen, wie das Lokale global wurde. Damit verorten wir unsere Forschung im Feld der Glokalisierung.
Dieses Hauptseminar ist auf zwei Semester angelegt. Im ersten Semester erschließen wir Engelberg als historischen Ort und beschäftigen uns eingehend mit Indien, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Filmindustrie liegt. Das Semester schließt mit einer Exkursion nach Engelberg, wo wir auch Archivrecherchen durchführen. Im zweiten Semester werden Forschungsmethoden und Projektplanung behandelt, bevor die Studierenden eigenständig ein Forschungsprojekt entwickeln, das sie in Gruppen vor Ort in Engelberg durchführen. Die Ergebnisse werden anschließend ausgewertet und veröffentlicht.